6. How exciting for you!

Nach drei Tagen in Caernarfon verlassen wir unser rosafarbenes Domizil Richtung Barmouth. Die rund 65 km radeln wir Dank des Rückenwindes flott ab. Unterwegs haben wir immer wieder schöne Ausblicke auf das Snowdonia-Gebirge. Barmouth ist ein reizloses Touristen-Kaff. Nur der Hafen und die hölzerne Eisenbahnbrücke über die Mündung des Mawddach verleihen dem Ort etwas Charme. Die Eisenbahnbrücke kann man übrigens auch zu Fuß überqueren sowie mit dem Fahrrad befahren, was sich wegen der schönen Aussicht auf die Bucht auf jedem Fall lohnt.

 Barmouth

Am nächsten Tag unternehmen wir einen nicht im Radtourenführer beschriebenen Ausflug von Barmouth über Dolgellau und Abergynolwyn nach Llyngwil und zurück nach Barmouth. Die Route ist ein landschaftliches Highlight. Die Strecke bis Dolgellau ist relativ flach bzw. steigt nur leicht bergan. Ab Dolgellau geht’s permanent, aber gut fahrbar einen Pass hinauf. Von dem 262 m hohen Pass hat man eine herrliche Aussicht in die vor einem liegende Senke. Nach kurzer rasanter Abfahrt radelt man gemütlich durch das relativ enge Tal von faszinierender Schönheit. Immer wieder hat man grandiose Aussichten auf die umliegenden Berge, vor allem auf den Cadair Idris mit seinen Nebengipfeln. Die Tagestour endet mit einem leichten Anstieg auf die 116 m hoch gelegene Küstenstraße, die während ihres Abstiegs zum Meer herrliche Blicke auf die Bucht von Barmouth erlaubt.

Wir übernachten in einem B&B, das von einer kultivierten älteren Dame geführt wird. Als wir ihr erzählen, dass wir am Abend zuvor im Ort waren, kommentiert sie mit leicht ironischem Unterton: "How exciting for you". Sowieso sind die Bewohner des Hauses von der skurrilen Art. Der Hausherr kommt uns bereits bei der Besichtigung des Zimmers wie ein Butler vor. Als uns die Dame des Hauses am nächsten Tag erzählt, dass sie seit 25 Jahren versucht, ihren Mann zu einem Butler zu erziehen, können wir uns kaum ernst halten. Morgens beim Frühstück nimmt unsere reichlich korpulente und etwas fußschwache Gastgeberin auf einem klapprigen Tischchen unmittelbar hinter meinem Rücken Platz. Während sie auf dem Tischchen hin und her wankt, ziehe ich (wohl unbewusst) meinen Kopf ein. Jedenfalls beißt sich Thomas auf die Lippen, um nicht laut loszulachen. Bei unserem Abschied von der illustren Truppe möchte das Zimmermädchen noch wissen, ob denn die Berliner Mauer noch steht (wir schreiben das Jahr 1997)...

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