3. So amazing!

Nach den beiden ersten Tagestouren in Wales verlagern wird unseren Standort nach Conwy. Die Strecke dahin ist hügelig mit langen, aber gut zu fahrenden Steigungen. Der Autoverkehr wird erst ab Llanrwst unangenehm.

Conwy besticht durch sein imposantes Castle, das uns bereits bei der Einfahrt in die Stadt empfängt. Der Ort ist von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer eingegrenzt und macht einen sehr sympathischen Eindruck. Dazu gibt’s einen netten Hafen und das kleinste Haus Großbritanniens, das Thomas mit seiner Größe von fast zwei Metern begeistert besucht. Conwy ist aber auch fest in der Hand von Möwen, die permanent über der Stadt kreisen und einen Höllenlärm verursachen.

Das kleinste Haus Großbritanniens in Conwy:
Die Dame davor halte ich zunächst für eine Puppe...

Elaine, unsere B&B-Wirtin, ist zwar nett, aber auch ein wenig verrückt. Sie findet es "So amazing!", dass wir mit soviel Gepäck auf dem Rad unterwegs sind, während wir es gerade schweißgebadet die schmale Stiege in unser Zimmer hinauf schleppen. Überhaupt sei alles "So amazing!". Dafür lernen wir im Pub "John & Dragon" Emrys und seine Frau aus Liverpool kennen. Er sieht mit seinem weißen Bart und seiner gegerbten Haut wie ein alter Seefahrer aus. Etwas wortkarg pafft er seine Pfeife und überlässt lieber seiner Frau das Reden. Erst nach etlichen Minuten Unterhaltung mit seiner Frau spricht auch er die ersten Worte mit uns: "Brave boys" meint er staubtrocken und nimmt anschließend schweigend den nächsten Zug aus seiner Pfeife. Wir verbringen eine schöne Zeit mit den beiden im Pub. Unsere Zustimmung zu Emrys Meinung, dass in Liverpool alles viel besser sei, weil das Bier kälter und der Fisch frischer ist, wird mit einigen Pints Bier begossen.

Nach dem feuchtfröhlichen Abend, von dem Thomas noch heute behauptet, ich sei singend nach Hause getorkelt, müssen die "brave boys" den anstrengendsten Tagesausflug meistern: Die Tour 2 aus dem Radtourenführer führt uns "In and out of the Conwy Valley" und zwingt insgesamt 1200 Höhenmeter von unseren Beinen ab. Dafür durchradeln wir abermals eine eindrucksvolle und abwechslungsreiche Landschaft. Auch diese Route führt uns auf gut zu fahrenden Wegen und Straßen mit wenig Verkehr.

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