Tunesiens Süden
Radeln durch die Bilderbuchwüste

Durch den Süden Tunesiens bin ich im Herbst 2002 geradelt. Ausgangspunkt war die Insel Djerba. Von dort aus ging es auf’s Festland in Richtung Tozeur / Nefta und weiter nach Gafsa. Die Strecke von Gafsa zurück nach Djerba habe ich mit dem Bus zurück­gelegt. Dieses Special beschreibt das interessanteste Stück meiner Reise von Djerba zur Oase Nefta.

Vor allem in Matmata und Douz sollte man sich mehrere Tage Zeit nehmen, um Ausflüge in das Umland zu unternehmen. Die Touren in die Umgebung der genannten Ortschaften waren für mich die interessantesten der gesamten Reise. Sie sind teilweise im Reiseführer „Tunesien“ aus dem Reise-Know How-Verlag beschrieben. Es ist aber auch lohnend, sich auf eigene Faust auf Entdeckungsreise zu begeben. Insbesondere im Bergland von Matmata kann man so manches erleben...

Dünenlandschaft bei Douz


Praktische Tips:

·      Südtunesien bietet auf der von mir gefahrenen Route eine abwechslungsreiche Wüstenlandschaft: Dünen, karges Bergland, weite Ebenen, Salzseen, riesige Palmenhaine und kleine Ortschaften wechseln sich ab und machen das Radeln kurzweilig. Wer von der von mir gewählten „Touristen-Strecke“ abweicht, kann noch  mehr Abenteuer erleben. Der Süden Tunesiens bietet dem Wüsten-Radler alle Optionen!

·      Die Versorgungslage in den Ortschaften ist sehr gut. In allen Orten entlang der Strecke bekommt man die Dinge, die ein Radler so braucht (d.h. insbesondere Wasser in Flaschen und was Ordentliches zum Essen). Mit Fahrrad-Ersatzteilen wird es allerdings eher schlecht aussehen; besser das Wichtigste von Zuhause mitführen.

·      In den von mir gewählten Etappenorten waren meist Unterkünfte aller Kategorien vorhanden. Da nach dem Attentat auf Touristen in Djerba im April 2002 viele Besucher ausblieben, waren fast alle Hotels unterbelegt, so daß ich nie Probleme hatte, ohne Vorausbuchung vor Ort ein freies Zimmer zu finden. Zudem war auch immer ein kräftiger Preisnachlaß auszuhandeln.

·      Die Abstände zwischen den einzelnen Ortschaften sind auf dieser Route relativ kurz. Nur von Temezret hinter Matmata bis Douz (rund 80 km) und durch das Chott el Djerid (60 km) findet man keine Ortschaft, sondern nur einige Cafe-Buden (s.u.).

·      Die besten Reisezeiten werden wohl – wie sooft - das frühe Frühjahr und der späte Herbst sein. Ich war im September unterwegs. Während auf Djerba und an der Küste durchweg angenehme 30 bis 35°C wärmten, war es im Landesinneren teilweise mehr als warm. Bis ca. 11 Uhr war es noch erträglich, dann wurde es schnell unerträglich heiß mit Temperaturen von deutlich über 40°C. Ich bin meist morgens früh gestartet und war mittags bereits am Zielort, so daß ich wenig von der Hitze abbekommen habe. Weitere Hinweise zum „Radeln in heißen Gebieten“ gibt’s in dem gleichnamigen Beitrag auf meiner Website.

·      Ein Phänomen war der meist lebhafte Wind, der irgendwie nahezu täglich aus einer anderen Richtung blies. Wie immer wehte er natürlich meistens kräftig von vorne. Auf jeden Fall war auf die Windrichtung zu der Zeit keinen Verlaß…

·     Die Einheimischen sind überaus freundlich und hilfsbereit. Abseits der Touristen­zentren erfährt man bei aller Neugier und Aufgeschlossenheit der Tunesier stets Respekt und wird niemals belästigt. Die Kinder in den kleinen Dörfern sind während der schulfreien Zeit manchmal etwas übermütig, aber kein „Problem“.

·      Die (Haupt-) Straßen sind in durchweg gutem Zustand. Breite Seitenstreifen gibt’s kaum. Der Beleg ist grob, aber schlaglocharm. Das Verkehrsaufkommen ist verglichen mit Mitteleuropa gering. Nur selten sind auch die Hauptstraßen im Landesinneren wirklich stark befahren. Die Haupt-Küstenstraßen sind hingegen meist stark befahren. Nebenstrecken hat man oft „für sich allein“. Da Autofahrer in der Regel viel Rücksicht nehmen und Abstand halten, läßt es sich meist auch auf Straßen angenehm radeln.

·      Zwischen den Orten gibt es auch Busverbindungen. Ein Fahrradtransport ist gegen geringen Aufpreis immer möglich. Größere Orte haben einen Busbahnhof mit Verkaufschaltern mit angeschlagenen Preisen. Ansonsten muß man etwas aufpassen, nicht zu viel zu bezahlen. Wer’s denn individueller mag, kann auch ein Taxi chartern. Verglichen mit europäischen Preisen ist das immer noch günstig. Der Preis muß aber unbedingt (hart) verhandelt werden..

 Dorfschneider von Jedid


Roadbook:

Djerba – Medenine
84 km

Nach der Durchquerung der Insel vom Nordosten in den Südwesten zur Hafenstadt Ajim geht’s auf dem Festland weiter. Die Fährfahrt dahin ist übrigens für Fußgänger und Radler kostenlos. Die Landschaft bis Medenine wird geprägt von Olivenbäumen, die in Plantagen angepflanzt der kargen Landschaft doch noch etwas Fruchtbares abverlangen.

Die Straße verläuft schnurgerade und ist monoton. Noch nicht einmal Steigungen sorgen für Abwechslung. Die Strecke wellt sich von einem kleinen Hügel zum nächsten. Hier und da passiert man einen kleinen Weiler, wo man Getränke und kleine Speisen bekommt. Alles in allem also eher etwas zum Kilometerfressen, sofern der Wind günstig steht...

Medenine ist ein geschäftiges, aber trotzdem trostloses Städtchen. Ein rekonstruiertes und mit Souvenirbuden belebtes „Touristen-Ksar“ ist das einzig angeblich Sehenswerte. Wenn man ein „echtes“ (d.h. nicht für Touristen hergerichtetes) Ksar besuchen möchte, lohnt der Ausflug zum Ksar Jedid (44 km hin und zurück), zumal man in dem kleinen Dörfchen auch das Alltagsleben der Tunesier gut beobachten kann.

Medenine - Matmata

Aufgrund eines mittelprächtigen Durchfalls lege ich diese Strecke mit dem Taxi zurück, da ich im trostlosen Medenine nicht noch mehr Zeit verbringen möchte und die Strecke hinauf in der Berge von Matmata alles andere als leicht ist. Im nachhinein erweißt sich die Entscheidung ohnehin als gut: Die in den verschiedenen Landkarten eingezeichnete Direktverbindung (Straße Nr. 104) von Medenine nach Matmata, die ich eigentlich mit dem Fahrrad fahren wollte, ist mit Rad und Gepäck nicht passierbar, weil gerade im Bau, Ausbau oder Umbau (Stand Herbst 2002). Auf jeden Fall gibt’s zur Zeit lange Schotter­strecken und sogar sandige Abschnitte. Tückischerweise fängt die Strecke sehr gut ausgebaut an, geht dann aber nach einigen Kilometern in eine Schotterpiste über. Sogar mein Taxifahrer ist darauf hereingefallen...

   
Matmata: Unterwegs auf den Pisten                                                  Karge Landschaft und Höhlenwohnungen

Die derzeit einzig radlbare Strecke ist die stark befahrene und wellige Hauptstraße Richtung Gabes bis Mareth, dann weiter auf leicht steigendem, aber kaum befahrenem Sträßchen nach Nouvelle Matmata. Von dort aus geht’s dann auf gut ausgebauter Straße kräftig bergauf nach Matmata.

Matmata lohnt unbedingt einen mehrtägigen Stop. Von dort kann man schöne Tages­touren in das landschaftlich faszinierende Umland unternehmen. Abseits der Pisten, die sich kurvenreich durch die Landschaft winden, sieht man Bewohner der typischen Höhlenwohnungen und erlebt viele traditionelle Lebensweisen. Es ist beeindruckend, wie die Einheimischen dieser lebensfeindlichen Landschaft ein bescheidenes Auskommen abgewinnen. Für mich waren die Ausflüge rund um Matmata ein Highlight der Tunesien-Tour.

Matmata - Douz
110 km

Auf dieser Etappe erlebt man Wüste pur. Hinter Matmata folgt nach einem kleinen Paß (von ca. 350 auf 450 Höhenmeter) der „letzte Ort“ Temezret, dann hügelt sich die Straße mit kleinen Gegensteigungen bergab in die Wüste. Man verläßt das Bergland und erradelt eine leicht hügelige bis flache, weite Wüste. Von den vier Cafes, die man passiert, waren drei geöffnet. Man sollte sich darauf aber nicht unbedingt verlassen und reichlich Wasser mitnehmen, zumal auch immer die Frage ist, ob man in diesen Cafes (sauberes) Wasser bekommt oder nur süße, lauwarme Limonaden. Auf jeden Fall kann man sich aber bei einem leckeren Tee etwas ausruhen...

Douz ist eine Bilderbuch-Oase mit ausgedehnten Palmenhainen. Auch hier sollte man mehrere Tage verweilen. Einmalig ist der etwas abseits vom eigentlichen Markt gelegene Viehmarkt. Das Treiben dort ist beeindruckend. Vom Huhn bis zum Dromedar wird mit großem Palaver alles mögliche Getier zum Kauf feilgeboten.

 
Viehmarkt in Douz

Douz eignet sich aber auch ideal als Basis für Ausflüge in die Wüste. Besonders die kleinen Oasen westlich von Douz und die Wege dahin bieten „Bilderbuchwüste“: Kleine Dörfer, Oasen mit Palmenhainen, Dünen, riesige sandige Ebenen und Salzseen wechseln sich ab. Zudem sind die Straßen kaum befahren, so daß man die Landschaft in Ruhe genießen kann.

Douz – Kebili - Zaouia
72 km

Die 20 km „Umweg“ lohnen, wenn man nicht die Hauptstraße nach Kebili nimmt, sondern die Nebenstrecke über Nouil und Blidet radelt. Ruhiges Fahren auf kaum befahrenen Straßen und abwechslungsreiche Wüstenlandschaft entschädigen für den längeren Weg vollauf. Ab Kebili wellt sich die Straße von einer Oase zur nächsten. Leider gibt’s hier viel Verkehr, aber die Autofahrer halten auch hier genügend Abstand.

Das Hotel „Les Dunes“ am Ortausgang von Zaouia ist übrigens das einzige weit und breit und das letzte vor dem Salzsee „Chott el Djerid“. Also entweder hier, in Kebili oder erst hinter dem Chott übernachten, sofern man nicht mit dem Zelt unterwegs ist.

Dattelpalmen

Zaouia - Tozeur
76 km

Die Strecke über den „Chott el Djerid“ ist ein Erlebnis der besonderen Art: Eine schnurgerade Straße zieht sich 60 km auf einem Damm durch den größten Salzsee Nordafrikas. Keinem bißchen Grün, keinem Haus, nur hin und wieder einem Auto begegnet man auf dieser Straße. Für Mitteleuropäer kaum vorstellbar. Im Herbst hat sich das Wasser des Salzsees weit zurückgezogen ist von der Straße aus nicht mehr sichtbar. Es ist eine Etappe durch eine braune Einöde. Aber gerade deshalb faszinierend.

 Im Chott: Immer geradeaus

Auf halber Strecke gibt’s vier oder fünf Cafe-Buden, die auch allerhand alberner Souvenirs (z.B. bunt gefärbte Sandrosen) anbieten. Die Straße verläuft absolut flach. Erst hinter dem Chott hügelt sich die Straße leicht nach Tozeur.

Tozeur ist eine quirlige Stadt mit einer schönen Altstadt und interessanten Gebäude in Lehmziegel-Architektur.

Lehmziegel-Architektur in Tozeur

Epilog: Ausflug nach Nefta
46 km

Die Straße nach Nefta steigt leicht aber stetig bis zur Hälfte der Strecke von 80 auf 180 Höhenmeter an, um dann genauso leicht und stetig wieder hinunter zu hügeln. Die Strecke verläuft am Rande des Chotts, auf den man immer wieder tolle Aussichten hat, sofern es nicht zu diesig ist.

Nefta selbst hat mich ein wenig enttäuscht, denn es gleicht eher einer riesigen Baustelle. Nicht zu vergleichen mir dem Charme Tozeurs.

Nefta kann man sehr gut von Tozeur aus als Tagesausflug erradeln. Es soll auch eine Nebenstrecke über eine Piste geben, die sicherlich kaum befahren sein wird, aber auch nicht spannender sein soll.        

 Willkommen im Orient!


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Stand der Dinge: September 2002

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