1982 - 2002:
20 Jahre Radtouren
50 Touren - 40.000 km - 34 Länder


Ein kurzer Rückblick...

Schreck laß nach: Ingo 1982 im KarohemdIch sehe noch heute das erstaunte Gesicht meines Vaters vor mir, als ich ihm gesagt habe, ich möchte den Urlaub mit ihm auf dem Fahrrad verbringen. Sicher hatte er damit gerechnet, dass ich meinen Wunschurlaub mit ihm faulenzend irgendwo am Meer verbringen möchte. Für mich war eine Radreise aber die Konsequenz aus unseren zahlreichen Tagestouren, die gemeinsam unternommen hatten, aus unserer gemeinsamen Reiselust und nicht zuletzt aus der Freude, die wir beide am Radeln hatten.

Ohne viel Vorbereitung, gerade mal mit dem Wissen, wie man einen Platten flickt, und gegen alle Bedenken unserer Familie ging's am 22. Juli 1982 los: Drei Wochen Radtour von Köln in den Odenwald und zurück. Auf den 1066 km werden wir vom Radreise-Virus infiziert, von dem wir nicht mehr loskommen. Wir erleben Deutschland aus ganz anderer Sicht, wunderschöne Landschaften, nette Menschen und amüsante Erlebnisse. Schon auf dieser ersten Tour entwickeln sich die vielen Eigenheiten und Sprüche, die wir in den kommenden Jahren "pflegen". So beginnt jede Tour mit einer "Dusche" meines Vaters aus der Trinkflasche und jeder längere Berg wird mit dem Spruch "Und schon widder de Bersch eruff" kommentiert. Der entfernteste Punkt von der Heimat wird auf einem heroischen "Zielfoto" festgehalten. Auch an das Leben als "Exoten" gewöhnen wir uns. Wir radeln in einer Zeit, in der man Radreisende noch für schlichtweg verrückt hält und erstaunt ist, dass sich Menschen, die per Fahrrad verreisen, sogar ein Hotelzimmer leisten können...

1988 am Schwarzen Meer mit weißem HütchenIn den folgenden Jahren wagen wir uns immer weiter von unserer Heimatstadt Köln weg: Die kommenden großen Touren führen uns zum Bodensee, nach Oslo, Venedig und bis Griechenland. Die Begeisterung wird von Jahr zu Jahr größer, die Ziele immer entfernter, immer extremer, immer abenteuerlicher. Radreisen wird zur Überzeugung.

Die Radreisen in den Jahren 1988 zum Schwarzen Meer und 1989 nach Rom werden zu wichtigen Erlebnissen in meiner persönlichen Entwicklung: Auf der Tour zum Schwarzen Meer spüre ich in Rumänien zum ersten mal in meinem Leben Armut unmittelbar am eigenen Leib. Trotz Devisen können wir im Süden des Landes, in der Walachei, kaum reichlich zu Essen bekommen. Während meinem Vater die Nachkriegsjahre "hochkommen", ist für mich unbegreiflich, in Europa soviel Elend, Unrecht und Armut zu erleben. Ich beschließe, nie wieder in ein Land zu reisen, in dem ich den Eindruck habe, den Leuten etwas wegzuessen. Ich werde das erste mal auf einer Radtour richtig krank. Ein massiver Brechdurchfall mit Fieber erwischt mich und ich radle jenseits meiner körperlichen und psychischen Kräfte. Die Naivität unserer bisherigen Touren ist weg. Die folgenden Touren werden besser geplant und vorbereitet. Die Ausrüstung wird "professioneller".

1989 vor dem Petersdom in RomEin Jahr später gibt es für mich einer weiteres Novum. Nachdem wir die romantische Straße bis Füssen gemeinsam mit Ruth, der Freundin meines Vaters geradelt sind, mache ich mich das erste mal allein auf den Weg. Der Weg nach Rom führt mich über den Splügenpaß auf mehr als 2100 Höhenmeter. Ich lerne Italien lieben. Rom wird fortan meine ewige Lieblingsstadt.

Die Tour 1991 - erneut nach Rom - wird zu einem persönlichen Meilenstein: 5½ Stunden quäle ich mich die knapp 2000 Meter Höhenunterschied mit vollem Gepäck und meinem alten 10-Gang-Rad den Großglocknerpaß hinauf. Oben angekommen bin ich völlig am Ende, aber stolz, diese für mich unglaubliche Leistung vollbracht zu haben. Der Höhepunkt wird gleichzeitig zum Wendepunkt: Ich habe meine physischen und psychischen Grenzen erfahren. In den kommende Jahren rückt die sportliche Leistung immer mehr in den Hintergrund. Ich begreife Radfahren endlich als Reisen im klassischen Sinn: Der Weg wird zum Ziel. Die Etappen werden kürzer, ich nehme mir mehr Zeit, Dinge anzuschauen, Landschaften zu erfahren und Menschen zu begegnen.

1992: Nach 4300 km auf dem Ölberg in Jerusalem1992 habe ich mein Studium geschafft und nutze die einmalige Chance, vermutlich das letzte mal vor der Rente sehr viel Zeit zu haben. Mein Vater radelt bis Athen mit, dann mache ich mich alleine auf den Weg nach Israel. Es wird die (bisherige?) Tour meines Lebens. Nach drei Monaten und über 4300 km stehe ich voller Erlebnisse mit meinem Rad in Jerusalem an der Klagemauer und blicke zum Felsendom hinauf. Der Ausflug in den Negev weckt meine Leidenschaft für Wüsten.

In den folgenden Jahre fahre ich viele kleinere und große Touren. Radwandern hat sich inzwischen zur Volksbewegung entwickelt. Kaum mehr ein Fluss in Deutschland, der nicht von einem Radwanderweg begleitet wird. Immer mehr lerne ich Deutschland als tolles Radreiseland schätzen.

Es folgen die Touren gemeinsam mit Alexandra und Annemarie in die Tropen. Die Reisen durch Malaysia und Bali werden zu überwältigenden Erlebnissen. 1997 geht's mit Thomas nach Wales. Aus einer Bierlaune heraus entstanden, wird es meine mit Abstand skurrilste Tour. Sie wird einige Seiten in Thomas Memoiren füllen...

Ein Highlight: 1999 im Monument ValleyMeine "Canyonlands-Tour" 1999 durch den Südwesten der USA wird zum Highlight. Ich bin von der grandiosen Landschaft überwältigt. Es wird eine meiner schönsten Touren, aber auch eine meiner anstrengendsten. Ich hoffe, irgendwann noch einmal eine Tour durch den Südwesten der USA machen zu können und all die Naturwunder sehen zu können, die ich auf dieser Tour nicht besuchen konnte.

2001 mit Claudia in SchottlandLetztes Jahr habe ich die erste große Radreise mit meiner Freundin Claudia gemacht. Schottland war ihr Wunschziel und ich habe sicher ähnlich verdutzt geguckt, wie mein Vater vor Beginn unserer ersten Radtour. Ich bin glücklich, mit Claudia einen lieben Menschen gefunden zu haben, der wie ich die Faszination von Radreisen erfährt. Ich hoffe, noch viele Touren mit ihr zu erleben...


Nicht zuletzt, wäre dieser kleiner Rückblick unvollständig, ohne die inzwischen traditionellen Touren mit Rainer und Klaus anzuführen. Seit nunmehr vier Jahren radeln wir einmal im Jahr - gewöhnlich zu Pfingsten - eine kleine Tour. Obwohl drei sehr verschiedene Menschen unterwegs sind, wir haben wir nicht nur ungemein viel Spaß zusammen, sondern erfahren auch intensiven menschlichen Zusammenhalt.

2002 im Chott El Djerid in Tunesien


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