Über das Radreisen...

... schreibt mir Reiseradler Sören Knoll in der Einleitung seiner "Knolls Reiserad-Seite" aus der Seele:

Jeder hat sie schon einmal gesehen. Auf der Rast an Fährterminals, unterwegs auf irgendwelchen Küstenstraßen oder bei den Zelten auf einem Campingplatz. Sie sind stille unauffällige Zeitgenossen mit dem Hang zur Isolation. Zuweilen wortkarg im Umgang mit Wesensfremden, wie Automobilclub-Mitgliedern, Wohnmobil-Freunden oder Surf-Beaus, kann die Anwesenheit weiterer Angehöriger dieser raren Spezies wahre Wunder wirken. Der zufällige Betrachter wird dann Zeuge von ausschweifenden Gesprächen und dramatischen Berichten aus einer anderen Welt. Auf Landstraßen und Highways, die die Ozeane miteinander verbinden, sind unsere Freunde zuhause. Leicht gebeugt über einem umwickelten Lenker, kurbeln Sie über das Land. Abseits der Zivilisation legt sich ein schwacher Grauschleier über diese Gestalten, und der Geruch feuchtwarm gelagerter Wäsche erfüllt ihre Nähe. Ihre Gesichter und all die Dinge, die diese Touren miterleben, sind gezeichnet von der Sonne, dem Wind und dem Regen. Es ist müßig zu fragen, was diese Menschen zu ihrem befremdlichen Tun bewegt. Denn selbst wenn sie antworten würden, es wäre kaum zu verstehen.

Extreme Fahrradtouren werden als mentale und physische Herausforderung und als Bewältigung innerer und äußerer Einflüsse erlebt. Die unmittelbare Umgebung wird als Teil dieser Auseinandersetzung sehr intensiv wahrgenommen. Die durchfahrene Natur muß erarbeitet werden und die Bewältigung einer besonders anspruchsvollen Strecke, das Erreichen einer Sehenswürdigkeit oder die Begegnung mit einem seltenen oder wilden Tier erscheint dabei als persönlicher Erfolg.

Diese nüchterne Analyse wird dem Wechselspiel ohnmächtiger Wut, größenwahnsinnigem Stolz und kindlicher Freude, wie es auf Radtouren durchlebt wird, in keiner Weise gerecht. Eine extreme Radtour kann man nur erleben, indem man sie fährt.

Mit freundlicher Genehmigung von Sören Knoll, Autor von "Die Faszination von Fahrradreisen"

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