Mein Tourer

Hier möchte ich kurz meinen „Tourer“, mein Reiserad, vorstellen. Es geht es um ein paar Tips rund um’s Fahrrad selbst, weniger um eine ausgefeilte technische Beschreibung seiner Komponenten. Ich bin nicht der technikbegeisterte Radler, der sich stunden- oder seitenlang über Ritzelgrößen auslassen kann. Trotzdem habe ich im Laufe der Jahre erkannt, daß es wichtig ist, ein technisch gutes, zuverlässiges und vor allem robustes Fahrrad unter seinem Allerwertesten zu haben. Nur so ist sichergestellt, daß man nicht allzu viel kostbare Urlaubszeit am Straßenrand mit Reparaturen oder in der Werkstatt eines Fahrradmechanikers verbringt (obwohl Fahrradmechaniker meist sehr nette Menschen sind...).

Grundsätzlich wird das Thema „Fahrrad“ in Bezug auf das Radreisen oft überbewertet. Ein teueres, technisch ausgefeiltes Fahrrad ist bestimmt nicht Voraussetzung für das Gelingen einer großen Radtour. Mein Vater und ich sind in den ersten Jahren auf den „letzten Gurken“ durch die Weltgeschichte gefahren. Gute Technik macht aber ein Fahrrad zuverlässiger, angenehmer zu fahren und z.T. auch sicherer. Deswegen sollte der ambitionierte Reiseradler mit einem guten Bike auf Tour gehen.

So sieht mein Tourer „on Tour“ aus:
Das Bild zeigt mein Fahrrad während der Tunesien-Tour, d.h. im „Wüsten-Outfit“.
Wenn ich die hessischen Fernradwege entlang radle, entfällt der 5-Liter-Wassersack natürlich...

Mein „Tourer“ ist mein inzwischen drittes Fahrrad, mit dem ich auf Reise gehe. Ich habe ich das Fahrrad 1998 vom Händler meines Vertrauens weitgehend nach meinen Wünschen zusammenbauen lassen. Letztendlich war das Fahrrad nicht teuerer als ein fertiges Rad „von der Stange“. Mein Ziel war, ein zuverlässiges und robustes Rad ohne technischen „Firlefanz“ zu haben.

Nun zu den einzelnen Komponenten:

Rahmen:

Mein Tourer hat einen „oversized“ Rahmen aus Aluminium. Ich habe beim Kauf meines Fahrrads lange überlegt, ob ich (wie bei meinem alten Rad) einen klassischen, gemufften Stahlrahmen oder einen modernen („geklebten“) Alurahmen wählen soll. Letztendlich war der Gewichtsvorteil beim Alurahmen ausschlaggebend. Der Rahmen ist mit seinen dicken Rohren extrem seitensteif, so daß er selbst bei schnellen Bergabfahrten mit viel Gepäck nicht „flattert“. Zudem hat mir mein Händler durch eine verlängerte Garantie von 15 Jahren zugesichert, daß ich mir bezüglich der Stabilität und Langlebigkeit des Rahmens keine Sorgen machen muß (obwohl mir die Garantie in der tunesischen Wüste natürlich auch nichts genutzt hätte...).

Vollgefederte Rahmen waren im Reiseradbereich seinerzeit noch kein Thema. Es gab nur gefederte Gabeln, die jedoch noch weitgehend Lowrider-untauglich waren. Im übrigen bin ich auch heute trotz der Fortschritte in diesem Bereich der Meinung, daß man sich den Komfort einer Vollfederung teuer erkauft: Jede Federung kostet Kraft, bringt mehr Gewicht und geht zu Lasten der Robustheit und damit Zuverlässigkeit.

Viel wichtiger als eine Federung ist die richtige Größe des Rahmens. Grundregel für die Rahmenhöhe ist die Schrittlänge des Beins des Fahrers oder der Fahrerin in Zentimetern minus 25. Bei Moutainbike-Rahmen darf’s dann etwas weniger sein. Steigt man aus dem Sattel und stellt sich mit beiden Füßen auf den Boden, darf das Oberrohr zwischen den Beinen nicht in den Unterleib drücken.

Ausstattung:

Die Ausstattung, also Schaltung, Tretlager, Naben und Bremsen sind komplett von Shimano aus der Serie „Deore LX“, die damals de facto Stand der Technik für Reiseräder war. Bislang hatte ich nie Probleme mit diesen Komponenten. Heute würde ich mir allerdings überlegen, ein hydraulisches Bremssystem zu wählen.

Bei der Schaltung kommt es weniger auf die Anzahl der Gänge, als vielmehr auf deren „Streuung“ an. Eine Untersetzung (d.h. das kleinste vordere Ritzel ist kleiner als das größte hintere Zahnrad) sollte für „harte“ Bergstrecken vorhanden sein, mindestens aber eine 1-zu-1-Übersetzung (das kleinste vordere Ritzel ist genauso groß wie das größte hintere).

Laufräder:

Meine Felgen „Alesa Explore“ haben bislang (nach fünf Jahren) alle Schlaglöcher schad-, schlag- und speichenbruchlos überstanden. Wichtig ist, Speichen von neuen Laufränder rund 500 km nach dem Kauf nachziehen zulassen.

Bei den Reifen vertraue ich seit vielen Jahren auf den „Marathon“ von Schwalbe. Die Pannensicherheit und Langlebigkeit dieser Reifen ist legendär, wenn es auch inzwischen ähnlich gute Produkte von anderen Herstellern gibt. Man sollte unbedingt die XR-Varianten der Marathon-Reifen auf die Felgen ziehen, die eine deutlich härtete Gummimischung haben. Ich bevorzuge das Modell „Schwalbe Marathon XR Sport“. Dieser Reifen hat ein Profil, das für Straßen- und Offroad-Fahrten gleichermaßen gut geeignet ist.  

Sattel:

Ein wichtiges Thema: Ich schwöre auf den klassischen Ledersattel. Ledersättel sind die einzigen, die sich (im Laufe der Zeit) dauerhaft den anatomischen Gegebenheiten des Fahrers bzw. der Fahrerin anpassen. Sie nehmen den Schweiß auf und sind im Vergleich zu einer Kunststoffoberfläche robust. Mit ein wenig sorgsamer Behandlung sind sie nahezu unverwüstlich und können „ein Freund für’s Leben“ sein. Mein Sattel ist von Brooks und seit 1995 im Einsatz.

Nachteile von Ledersätteln sind deren Empfindlichkeit gegenüber Nässe und die lange „Einfahrzeit“. Man sollte unter dem Sattel immer eine Plastiktüte eingeklemmt haben, die man über den Sattel ziehen kann, wenn das Rad längere Zeit im Regen steht.

Hauptnachteil von Ledersätteln ist meiner Meinung nach die lange Einfahrzeit. Ein nagelneuer Ledersattel kann dem Allerwertesten ganz schön zusetzen. Man muß rund 1000 bis 2000 km auf dem Sattel gesessen haben, bis er halbwegs „eingefahren“ ist und auch auf langen Etappen nicht mehr schmerzt. Auf jeden Fall den Sattel niemals während einer großen Tour einfahren, sonst wird die Tour zur Tortour. Die einzige Möglichkeit, den Sattel erträglich (d.h. mit wenig Schmerzen) einzufahren, ist das „Einsitzen“ auf vielen kurzen Strecken.

Für alle, denen das zu „hart“ ist oder die sich keine langen Einfahrzeiten leisten können, empfehle ich Gelsättel. Auch diese haben einen guten Sitzkomfort und passen sich dem „Hinterteil“ (zumindest temporär) an. Sie halten aber meist nicht sehr lange im Vergleich zum Ledersattel und nehmen keinen Schweiß auf.

Lenker:

Ich bin ein Verfechter des leicht gebogenen „Tourenlenkers“. Er unterstützt die natürliche Haltung der Hände ohne Verspannungen. Die Bremsgriffe sind direkt, d.h. ohne Umgreifen, zu erreichen. Leider bietet er praktisch nur eine Griffposition. Ein Lenker sollte immer ungefähr so breit wie die Schultern des Fahrers bzw. der Fahrerin sein.

Gut sind sicher auch die in letzter Zeit in Mode gekommenen gebogenen „Gesundheitslenker“, die viele Griffpositionen bieten. Leider sind bei den meisten Griffpositionen aber die Bremshebel nicht ohne Umgreifen erreichbar.

Vollkommen ungeeignet, aber leider weit verbreitet, sind meiner Meinung nach die geraden Moutainbike-Lenker. Sie führen auf langen Touren zu Verspannungen im Nacken- und Handgelenk-Bereich.  

Gepäckträger:

Wie man auf dem Foto sehen kann, montiere ich mein Gepäck hauptsächlich auf dem hinteren Gepäckträger. Ein stabiler Gepäckträger sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

Die Lowrider nutze ich nur für zusätzliches Gepäck, wie z.B. Wassersäcke, einen kleinen Schlafsack oder Ersatzmäntel. Ich finde es als unangenehm, mit viel Gepäck an den Lowridern das Rad zu manövrieren. Die „Theorie“ besagt hingegen, die Last auf Vorder- und Hinterrad möglichst gleichmäßig zu verteilen.

Wasserversorgung:

Ich kann bis zu drei große Trinkflaschen à 0,7 Liter direkt am Fahrrad einstecken. Drei Flaschen mögen für die Wochenendtour in heimischen Gefilden etwas „oversized“ sein, sind aber auf größeren Touren in südlichen Regionen eher die Untergrenze für einen halben Fahrttag.

Auf Wüstenetappen reichen selbst die drei Flaschen für einen halben Fahrttag nicht aus. Für einen ganzen Fahrtag in heißen Gebieten muß man kräftig aufrüsten: Ich bevorzuge Wassersäcke von Ortlieb, die es in verschiedenen Größen gibt. Sie wiegen leer kaum etwas und lassen sich sehr klein zusammenrollen. Die 5-Liter-Variante läßt sich prima mit zwei Karabinerhaken am Lowrider montieren. Die untere Schlaufe des Wassersacks kann über das untere, schmalere Ende des V-förmigen Lowriders gezogen werden. Die obere Schlaufe wird mit zwei Karabinerhaken am oberen Gepäckträger befestigt. Diese Konstruktion hält sehr gut und sichert ein gutes Lenkverhalten des Rades.

                             

Sonstige Details:

Ein Seitenspiegel ist für mich eines der wichtigsten Zubehörteile am Fahrrad. Er gibt nicht nur beim Passieren des Verkehrsgewühls von Großstädten Sicherheit, sondern sorgt auch bei Überlandfahrten für ein besseres Gefühl bei heranbrausenden Autos. Außerdem gestattet er mehr „Rücksicht“ auf die Mitreisenden.

Lange Schutzbleche vorne und hinten sind ein „Muß“, sofern man nicht nur bei schönem Wetter radelt - oder man mag „braune Streifen“, die sich bei regennasser Fahrbahn Rücken und Brust bis ins Gesicht hochziehen. Außerdem freut sich der Mitradler oder die Mitradlerin über eine langes Schutzblech am Hinterrad des Vordermannes oder der Vorderfrau. Auch wenn’s antik ist: Für mich gibt’s nur Schutzbleche aus Metall. Schutzbleche aus Kunststoff sind zwar leichter, werden aber nach einigen Jahren porös und brechen dann sehr leicht. Metallbleche verbeulen zwar und wiegen etwas mehr, halten aber eine Ewigkeit.

Durch die Montage von drei Trinkflaschenhaltern bleibt kein Platz, die Luftpumpe vertikal im Rahmen einzuklemmen. Deshalb klemme ich die Pumpe unter dem Oberrohr fest. Dazu habe ich um das Vorderrohr eine Schlauchklemme befestigt, die der Pumpe Halt gibt (s. Foto).

Die Beleuchtung ist wichtiger, als das zunächst vermuten läßt. Auch wenn man nicht vorhat, Nachtfahrten einzulegen, erreicht man doch manchmal erst nach Sonnenunter­gang sein Ziel. Und spätestens, wenn man in Italien oder Spanien unbeleuchtete Tunnel passiert hat, weiß man, wie wichtig eine gute Ausleuchtung des Fahrweges ist. Deshalb sollten vorne eine helle Halogenlampe mit breitem, gleichmäßigen Leuchtkegel und hinten eine (LED-) Lampe mit Standlichtschaltung vorhanden sein.

Ein Seitenständer bringt zwar zusätzliches Gewicht auf die Waage, ist aber unbedingt sinnvoll. Für eine Reiserad mit Gepäck kommt eigentlich nur ein Modell in Frage, das am Hinterrad montiert wird. Zweibeinständer bieten zwar einen besseren Stand, wiegen aber noch mehr und sollten an Alu-Rahmen nicht montiert werden. 


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Stand der Dinge: April 2003

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