6. Kairo: Die drei Regeln

Der Bus fährt bis zum Sinai-Terminal in Kairo im Nordosten der Stadt. Da ich mein Quartier bei den Pyramiden in Giseh im Südwesten der Stadt suchen möchte, steht eine Tour quer durch die Mega-Metropole mit 20 Millionen Einwohnern bevor. Auf den Straßen wimmelt es nur so von Pkws, Bussen, Lkws, Fußgängern, Eselkarren, Fahrradfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern. Alles rennt und fährt kreuz und quer. Es gelten eigentlich nur drei Verkehrsregeln: 1. Nutze jede Lücke. 2. Rechne jederzeit mit allen Aktionen des anderen. 3. Vergiß alle anderen Verkehrsregeln. Die erste Regel hat zur Folge, daß es ziemlich eng zugeht. Man muß sich daran gewöhnen, daß Autos knapp an einem vorbei rauschen. Beim Blick in den Seitenspiegel ist es mir diesbezüglich oft mulmig geworden. Die zweite Regel bewirkt andererseits, daß man viel aufmerksamer und rücksichtsvoller als bei uns fährt. Vor allem aber macht man Platz für den anderen. Es ist kein Problem, einfach nach links auszuweichen. Als Reiseradler hat man einen zusätzlichen Bonus, weil man sogar in diesem Gewühl auffällt.

Gewimmel in der 20 Millionen Einwohner Stadt

Nachdem ich das Zentrum Kairos passiert habe, fahre ich auf der "Pyramid road" nach Giseh. Bevor ich ein Zimmer suche, möchte ich einen ersten kurzen Blick auf die Pyramiden werfen, auf die ich ganz gespannt bin. Nach einiger Zeit erscheinen die Pyramiden zunächst nur schemenhaft im Dunst. Irgendwie traue ich meinen Augen nicht, so irreal erscheint die Aussicht auf die riesigen Bauwerke in der Ferne. Je näher ich komme, um so unglaublicher wird der Anblick. Als ich direkt vor den Pyramiden stehe, bin ich überwältigt vom Anblick und tief beeindruckt. Die Schlichtheit der Form einerseits und die Kolossalität andererseits faszinieren mich vollkommen.

Am nächsten Tag habe ich mir den Besuch des Ägyptischen Nationalmuseums vorgenommen. Der Entschluß, mit dem Taxi ins Zentrum zu fahren, erweist sich als glücklich, denn ich lerne Mohammed, einen sehr netten Taxifahrer kennen. Ich vereinbare mit ihm, daß er mich morgen den ganzen Tag "chauffiert". Aber zunächst setzt er mich am Ägyptischen Nationalmuseum ab, wo ich mich bis zum Nachmittag rumtreibe. Es ist unglaublich, wie viele Schätze hier lagern. Leider ist das Museum mit Exponaten und Besuchern überfüllt, was den Ausstellungsstücken natürlich etwas die Wirkung nimmt. Trotzdem ist der Besuch ein einmaliges Erlebnis. Neben dem Schatz des Tut Anch Amun haben es mir vor allem die Mumien angetan. Am Nachmittag schlendere ich durch die Stadt zu den Souks. Im Fleischmarkt bin ich der einzige Ausländer und werde mit großen Augen angesehen. Ich bin von dem Treiben in den engen Gassen begeistert.

      
In den Souks: Willkommen im Orient!

Am nächsten Morgen treffe ich wie vereinbart Mohammed. Er wird mich heute zu einigen Sehenswürdigkeiten fahren. Für den ganzen Tag zahle ich gerade mal 20 US-Dollar. Mohammed ist ein wirklich liebeswerter Mensch. Er ist freundlich, aufgeschlossen und hat eine Menge Humor. Außerdem – und das sollte man nicht unterschätzen – fährt er defensiv. Auch als Guide ist er klasse. Er gibt gute Tips, was man sich außer den typischen Sehenswürdigkeiten noch ansehen kann. Während der Fahrt kommen wir ins Gespräch und ich erfahre einiges über ihn, seine Familie und sein Leben in Kairo.

 Giseh: Die Pyramiden

Zunächst geht’s zu den Pyramiden von Giseh, wo ich eine Menge Zeit verbringe, um die Atmosphäre und die verschiedenen Perspektiven zu genießen. Ich kann mich nicht erinnern, daß mich Bauwerke jemals so beeindruckt haben.

 Die Sphinx: Die Nase fehlt, seit Obelix da war...

In der Mykerinos-Pyramide krabbele ich in die Grabkammer. Die Kammer selbst ist leer und wenig beindruckend. Interessant ist aber der Weg zur Kammer. In gebückter Haltung muß man die engen Gänge hinunterkraxeln. Am Nachmittag fahren wir nach Sakara, wo die Stufenpyramide des Djoer und Grabanlagen mit sehr feinen Reliefs aufwarten. Beeindruckend ist, wie gut die teilweise farbigen Reliefs noch erhalten sind.

      
Sakara: Stufenpyramide des Djoer und fein gearbeitete Reliefs in den Grabanlagen

Am Abend genieße ich die Licht- und Tonschau bei den Pyramiden von Giseh. Die Vorstellung an sich ist ziemlich kitschig, aber die Lichteffekte sind toll und machen die Veranstaltung lohnenswert. Abermals bin ich von den Pyramiden vollkommen fasziniert.

Den letzten Tag in Kairo verbringe ich ohne festes Programm. Ich spaziere durch die Stadt, besorge ein paar Souvenirs und sehe mir noch mal die Souks an. Am späten Abend bringt ein Taxi mich und mein Rad zum Flughafen. Erneut muß ich mir etliche Stunden am Flughafen um die Ohren schlagen, bevor mein Flieger gegen 2 Uhr in der Nacht zum Rückflug nach Deutschland abhebt.

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