3. Von Petra zu Lawrence

Die erste Nacht in Petra ist bitterkalt. Zu meiner Überraschung funktioniert sogar die Heizung in meiner ansonsten etwas heruntergekommenen Unterkunft. Die eigentliche Überraschung gibt’s aber am nächsten Morgen: Blauer Himmel und Sonne. Und tatsächlich: Während ich im Tagesverlauf durch die Schluchten des antiken Petras kraxele, mir die imposanten aus dem Fels gehauenen Grabanlagen und Gebäude ansehe und die Aussicht von den Bergen bis in die Negevwüste genieße, wird es richtig warm. Nach einer knappen Woche spielt endlich auch das Wetter mit!

      
Bewässerungssystem im Siq, der Schlucht in das antike Petra

Die weitere Fahrt Richtung Süden zum Wadi Rum geht durch kleine Dörfer und eine tolle Felslandschaft. Bei der Rast in den kleinen Dörfern wird man schnell zum Dorfgespräch. Einmal werde ich von 10 oder 15 Jugendlichen umlagert, die mich mit großen Augen ansehen. Eine Frage nach der anderen prasselt auf mich ein. Ich komme kaum zum Verschnaufen. Die Halbstarken probieren ihre Englischkenntnisse aus und die Freude ist groß, daß der Fremdling sie sogar versteht. Mein Fahrrad wird begutachtet und die Tröte am Lenker ausgiebig getestet. Auf besonderes Interesse stößt meine Landkarte. Die meisten haben offensichtlich noch nie eine Straßenkarte der eigenen Umgebung gesehen. Das Auffinden des Heimatdorfes sorgt für Begeisterung.

Weniger anstrengend sind die kurzen Pausen in den kleinen Teebuden am Straßenrand. Hier kommt man mit den Einheimischen in Gespräch, ohne ein Dauerverhör ausstehen zu müssen. Die Jordanier sind ein wirklich unglaublich freundliches und liebenswertes Volk. Ihre Freundlichkeit ist ehrlich und unverblümt. Die Menschen sind sehr hilfsbereit und aufgeschlossen, aber niemals aufdringlich (sofern man nicht gerade in einem Dorf abseits von allem auf eine Horde Halbstarker trifft...).

      
Petra: Indiana Jones’ "Tempel des Todes" ist ebenso aus dem Fels gehauen wie die Gräber

Auch hinter Petra ist eine sehr lange, aber erträgliche Steigung zu fahren. Die Straße zieht sich rund 25 km fast nur bergauf. Später führt ein besonders schöner Abschnitt einen Berggrat entlang: Zur linken blickt man weit in die östliche Wüste, zur rechten fallen die Berge steil in den Jordangraben hinab. Später muß ich den "Desert Highway" fahren. Die vierspurig autobahnähnlich ausgebaute Hauptverbindungsstraße in Nord-Süd-Richtung ist angenehmer zu fahren als ich das gedacht hätte. Der Verkehr ist erträglich, ein schmaler Seitenstreifen macht das Radeln sicher. Die Autofahrer nehmen (nicht nur hier) Rücksicht und lassen mir reichlich Platz. Außerdem bekomme ich als Radfahrer die Gelegenheit, auf der Autobahn auf der linken Spur zu fahren: Während die uralten LKW im Schneckentempo die Berge hinunterkriechen, flitze ich auf der linken Spur an ihnen vorbei.

Die Landschaft ändert sich: Haben bislang ausschließlich Felsen dominiert, wird’s nun sandiger. Durch Erosion abgeschliffene einzelne Felskegel ragen aus der Landschaft empor. Der rötliche Farbton des Sandes und der Felsen verleihen der Szenerie einen besonderen Reiz.


Blick in das Tal des antiken Petra

Die Anfahrt ins Wadi Rum ist ein wirkliches Highlight. Felskegel erheben sich aus dem Sand. Da es schon später Nachmittag ist, läßt die tiefstehende Sonne das rötliche Gestein aufleuchten. Vorbei an Felsformationen, die T.E. Lawrence (von Arabien) treffend als "Die Prozession" beschreibt, erreiche ich die kleine Oase Rum. Für wenige Dinare kann man hier ein Zelt mieten und Wüste pur erleben. Besonders Aktive können die Felswände hinaufklettern, weniger Sportliche lassen sich von den Beduinen auf dem Kamel oder im Jeep zu den landschaftlichen Highlights führen. Ich bleibe einen Tag hier und mache einen Ausflug in die nähere Umgebung und die Dörfer im benachbarten Wadi Hiswa.


Im Wadi Rum

Nach einer herrlichen – fast nur bergab führenden - Fahrt vom Wadi Rum nach Aqaba verbringe ich den letzten Tag in Jordanien mit Faulenzen, einem Ausflug an den Strand und dem unvermeintlichen Schreiben der Postkarten. Am nächsten Tag nehme ich die Fähre zur anderen Seite des Golf von Aqaba. Auf dem Sinai beginnt ein neuer Abschnitt der Tour...

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