2. Busfahrer als Anhalter

Trotz des eisigen Windes und wolkenverhangenen Himmels mache ich mich auf dem "Kings Highway" Richtung Kerak auf. Am ersten "richtigen" Fahrttag gibt’s direkt eine "Packung": Der Anstieg aus dem Wadi Wala ist noch ein relativ harmloser Auftakt. Richtig heftig wird’s im Wadi Mujib. Nach atemberaubender Abfahrt in den grandiosen "Grand Canyon Jordaniens" wartet auf der anderen Seite ein Aufstieg der unangenehmen Art. Die Steigung ist an einigen Stellen so heftig, daß sogar das Schieben Schwierigkeiten bereitet. Zudem ist die Straße bergauf (auf der südlichen Seite des Wadis) in schlechtem Zustand. Wind und Serpentinen lassen mir abwechselnd den Schweiß ausbrechen und kühlen mich kurz darauf vollkommen aus. Die Fahrerei ist mühsam. Kurze Aufmunterung verschafft nur ein Reisebus, der mir entgegenkommt und dessen Insassen mir wie wildgeworden zuwinken. Nach zweieinhalb Stunden habe ich die rund 700 Höhenmeter geschafft und gönne mir erst mal eine Mahlzeit im Restaurant am Rand der Schlucht.


Wadi Mujib

Die restlichen 40 Kilometer bis Kerak kommen mir endlos vor. Zudem radelt man leider durch nicht allzu spannendes Kulturland. Aber auch hier ist es ein kleines Erlebnis, das mich wieder aufmuntert. Ein Gemüsehändler überholt mich mit seinem Kleinlaster, hält vor mir an, steckt mir freudestrahlend drei Orangen zu und verschwindet so schnell wie er gekommen war... Erst spät und ziemlich erschöpft erreiche ich mein Etappenziel.

 Hinab in den Grand Canyon Jordaniens...


... war’s ziemlich kalt

Nach dem es die ganze Nacht geregnet, gehagelt und gestürmt hat, gucke ich morgens etwas verzweifelt aus dem Fenster. Die Burg von Kerak liegt im Nebel und es ist bitterkalt. Auf meinem Fenstersims hat sich eine Ladung Hagelkörner angesammelt. Ich beschließe, daß ich vom miesen Wetter die Nase voll habe und vermute, durch eine Fahrt mit dem Bus Richtung Süden dem Schlamassel zu entkommen. Also geht’s per Bus nach Wadi Musa, wie die Ortschaft nahe des antiken Petra heißt.

Die Busfahrt hält eine Überraschung parat. Mitten in der Pampa und in voller Fahrt geht irgendein offensichtlich unabdingbares Teil des Busses flöten. Obwohl die halbe männliche Besatzung des Busses ausrückt und die Straße zurücklatscht, um das Ding zu suchen, bleibt die Aktion ohne Erfolg und der Bus am Straßenrand stehen. Nach einigem Palaver entschwindet der Busfahrer per Anhalter. Bis zu seiner Rückkehr eine knappe Stunde später bleibt die Stimmung der Zurückgebliebenen im Bus gut: Es wird palavert, gelacht oder einfach gepennt. Die Rückkehr unseres Fahrers mit einem anderen Bus sorgt für noch bessere Laune und viele Hände helfen, mein Fahrrad von dem einen auf das andere Busdach zu schaffen.

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