1. Auftakt in Island?

Ein rötlicher Streifen erhellt den nächtlichen Himmel. Es ist kurz vor Sonnenaufgang. Aus dem Lautsprecher ertönt der Ruf des Muezzin und der kleine Gebetsraum im Flughafengebäude füllt sich. Auch die Putzkolonne verschwindet geschlossen zum Gebet. Nachdem ich mitten in der Nacht auf dem Flughafen "Queen Alya" angekommen bin, wird es endlich hell und ich kann die ersten Kilometer auf jordanischem Boden radeln. Um mir das Verkehrgetümmel und die Hektik in Amman zu ersparen, wird Madaba, 20 km südwestlich von Amman, meine erste Station. Ich möchte mich erst mal ein paar Tage einleben, bevor ich die "Königsstraße" Richtung Süden in Angriff nehme.

 Amman: Herkules-Tempel und römisches Theater

Die rund 25 km bis Madaba fahre ich auf einer Nebenstrecke, was sich nicht als der große Hit erweist. Denn mein Erscheinen bringt so ziemlich jeden Hund zwischen dem Flughafen und Madaba auf die Palme. Trotz oder gerade wegen der Herrgottsfrühe kommen die Köter rudelweise quer über die Felder angeflitzt. Das Gebell des einen alarmiert bereits den nächsten einen halben Kilometer vor mir. Mit den ersten Hunden liefere ich mir erbitterte Wettrennen. Nur mit einem Puls von 180 bleibe ich Sieger. Später lasse ich sie gelassen auf mich zukommen, denn die meisten rennen nur kläffend am Straßenrand neben mir her. Wenn mir ein Hund zu nahe kommt, brülle ich ihn kräftig an, was den gemeinen jordanischen Straßenköter schon zurückschrecken läßt. Trotzdem nervt das permanente Gebell, zumal ein Restrisiko bleibt, doch mal auf einen Vierbeiner zu treffen, der richtig angreift. Im Verlauf der weiteren Tour auf der Königsstraße sind die Hunde übrigens kein Problem mehr. Nur zwei- oder dreimal meint ein Kläffer am Wegesrand, sein Revier gegen mich verteidigen zu müssen.

So gegen 7 Uhr komme ich in Madaba an und finde eine zentral gelegene Unterkunft mit einer netten Wirtsfrau, die mich zunächst zu einem köstlichen Kaffee einlädt. Den hiesigen Kaffee lerne ich in den nächsten Tagen besonders schätzen: Zubereitet wie Mokka ist das Lieblingsgetränk der Jordanier sehr aromatisch und äußerst bekömmlich.

Zunächst schlafe ich mich mal richtig aus, bevor ich mir am Nachmittag die für Madaba typischen Mosaiken ansehe. In den nächsten Tagen gewöhne ich mich an die lieben Menschen, das leckere Essen und das orientalische Treiben auf den Straßen. Madaba ist ein idealer Einstiegs- und Ausgangspunkt für eine Reise durch Jordanien. Das kleine Städtchen hat viel Charme. Mit dem Rad fahre ich zum Berg Nebo, von dem aus Moses das gelobte Land erblickte (und dort auch starb) und per Bus mache ich einen Ausflug nach Amman.

Amman ist eine moderne Stadt und enttäuscht mich ein wenig. Mir fehlt eine schöne Altstadt mit den für den Orient so typischen Souks. Beeindruckend ist lediglich das römische Theater, während die Reste des Herkules-Tempels und das Archäologische Museum oben auf der Zitadelle nicht sehr eindrucksvoll sind. Vielleicht braucht man aber nur mehr Zeit, um die liebenswerten Seiten dieser Stadt zu entdecken.

Kreuz auf dem Berg Nebo.
Bei gutem Wetter blickt man bis Jerusalem

Leider ist das Wetter in den ersten Tagen alles andere als gut. Anstatt des erwarteten Frühlings gibt’s Wolken und trübe Aussichten. Es wird sogar von Tag zu Tag kälter und regnerischer. Auf den Ausflügen per Rad in die nähere Umgebung friere ich mir nicht nur die Beine ab. Besonders der steife Wind läßt die ohnehin geringen Temperaturen noch kälter empfinden. So ungefähr stelle ich mir eine Tour auf Island vor...

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