Praktische Tips:

Die Tour gehört sicher zu den anstrengendsten Touren, die ich je gefahren bin. Die langen Etappen, die großen Höhenunterschiede und die Hitze machen das Radeln nicht einfach. Und wenn auch noch Gegenwind dazukommt, wird’s wirklich hart. Trotzdem lohnen sich alle Anstrengungen. Denn diese Tour gehört auch zu den schönsten Touren, die ich in den letzten 18 Jahren gefahren bin. Das Naturerlebnis auf dem Fahrrad ist einfach grandios und unmittelbar. Die Landschaft ist archaisch und spektakulär. Ich kann ich eine Fahrradtour im Südwesten der USA jeder und jedem empfehlen, die bzw. der ein ordentliches Maß Ausdauer mitbringt und Erfahrung mit dem Radeln in heißen Gebieten hat (sofern man nicht dort im Winter durch den Schnee fährt...).

 "Zielfoto" im Monument Valley

Neben der grandiosen Naturlandschaft hat die beschriebene Tour auch kulturell einiges zu bieten (was mir bei der Planung der Tour noch gar nicht so bewußt war). Die Route führt durch mehrere Indianer-Reservate. Auch wenn man nicht so einfach und direkt Kontakt zu den Amerikanern indianischer Abstammung wie die zu den "weißen" Amerikanern bekommt, kann man doch sehr viel über deren Kultur lernen. Eine gute Einführung in die indianische Kultur bietet das "Museum of Nothern Arizona" in Flagstaff.

Wenn man nicht zeltet und wie ich auf Unterkünfte angewiesen ist, sind die Etappen oft durch die Ortschaften mehr oder weniger vorgegeben. Mit Zelt ist man flexibler. Die Gegend ist – abgesehen von den Ballungszentren - relativ dünn besiedelt. Dafür gibt es in der Regel aber auch in dem kleinsten Ort ein einfaches Motel und was zum Essen.

 "Ghost Rider"

Ein (Gewichts-) Problem kann der Wasserbedarf werden. Meine persönlichen Erfahrungen (auch aus anderen Wüstenfahrten) sind, daß man mindestens eine große Trinkflasche à 0,7 Liter pro Stunde auf dem Rad einplanen sollte. Mit einem ganzen Liter ist man auf der sicheren Seite. Ich bin sicherheitshalber immer mit drei großen Trinkflaschen à 0,7 Liter und einem Wassersack mit 3 bis 4 Liter Wasser losgefahren und hatte keine Wasserprobleme. In der Regel kommt man während der Fahrt an einem kleinen Ort oder einer Tankstelle vorbei, wo man Wasser "nachtanken" kann. Aber Vorsicht: Einige kleine Orte, die in der Karte verzeichnet sind, gibt es nicht (mehr). Wem morgens beim Losfahren 5 bis 6 Liter Wasser zu viel Gewicht sind, kann sich sicher auch auf die vielen Camper verlassen, die auf den Hauptstraßen rumfahren und in der Regel einen großen Wasservorrat dabei haben. Ich bin mir sicher, die werden jedem Radfahrer Wasser abgeben. Auf Pisten abseits der Straßen muß man in jedem Fall selbst für Wasser sorgen!


Neonreklame in Las Vegas

Was die Rücksichtnahme der Autofahrer gegenüber Radfahrern angeht, habe ich das Autofahrerparadies USA als Paradies für Radreisende kennengelernt. Das gilt auch für die Großstädte Salt Lake City und Las Vegas, die ich durchradelt habe. Man fährt für deutsche Verhältnisse langsam und sehr defensiv. Insbesondere die Trucks halten einen sehr großen Abstand ein. Zudem haben fast alle Straßen einen mehr oder weniger breiten Seitenstreifen, so daß man wirklich ungestört und sicher radeln kann. Selbst auf den Interstates (entsprechen unseren Autobahnen) habe ich mich nicht unsicher gefühlt (obwohl es schon ein merkwürdiges Gefühl ist, auf einer Autobahn radzufahren). Abseits der Ballungszentren war zudem das Verkehrsaufkommen meistens sehr gering.

Die Gegend "bergelt" ganz schön. Flache Etappen sind die Ausnahme. Die Hitze im Sommer macht oft vergessen, wie hoch man sich eigentlich befindet. Selbst die "Tiefen" liegen noch immer rund 1400 m hoch. Der Rand des Grand Canyon kommt immerhin auf 2000 Höhenmeter. Höchster Punkt meiner Tour war in den La Sal Mountains bei rund 2700 m. Alle Steigungen auf Hauptstraßen sind "well graded", da man viel Platz hat und die Amerikaner auch mit ihren Caravans noch den Berg raufkommen müssen. Als Radfahrer konnte ich auch mit Gepäck alle Berge (außer der besagten Piste bei Moab) ohne Schieben herauf fahren. Da man trotzdem große Höhenunterschiede überwinden muß, bedeutet das aber auch manchmal sehr lange Bergauffahrten. Mehrmals ging’s 20 bis 30 km nur aufwärts.


Galtteiswarnung bei 35°C im Schatten

Noch ein Wort zum Fahrradtransport: Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ist in dem Gebiet – wenn überhaupt vorhanden – sehr spärlich. Grundsätzlich muß das Fahrrad in den USA immer verpackt werden, egal ob man mit dem Flugzeug, Bus oder Zug unterwegs ist. Das macht die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sehr mühsam: Erst bekommt man nur mühsam eine passende Verpackung und dann wird man sie nicht mehr los. Bei kürzeren Strecken, die man nicht radeln will oder kann, sollte man vielleicht lieber versuchen, sich von einem der vielem Camper oder einem Einheimischen mit Pickup mitnehmen zu lassen. Mein Tip für den Hinflug: Wenn Ihr in den USA umsteigen müßt, dann sucht Euch möglichst eine Fluggesellschaft, die das Rad ohne Verpackung (und natürlich zum Pauschalpreis) mitnimmt. Bei europäischen Gesellschaften ist das die Regel, amerikanische bestehen immer auf einer Verpackung, sofern sie überhaupt Räder mitnehmen. Man muß grundsätzlich im ersten Flughafen in den USA durch den Zoll. Und ein Fahrrad im Karton (und zusätzlichem Gepäck) ist wirklich unhandlich...

In diesem Sinne:
Bike your dream!

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