Die ersten Tage: Wir leben uns ein...

Wir machen den ersten Spaziergang in Ubud, einem Ort im Inselinnern, in den wir so schnell wie möglich nach unserer Ankunft auf Bali "geflüchtet" sind, um auf unsere Räder zur warten. Wir sind von den ersten Eindrücken fasziniert, aber auch vollkommen erschlagen. Wir schaffen es anfangs nicht einmal, zwischen Tempeln und Wohnhäusern zu unterscheiden. Es "wimmelt" nur so von Tempelchen und Türmchen, religiösen Figuren und Ornamenten, exotischen Blumen, kleinen Geschäften und Garküchen.


Das "Grün der Götter" in den Reisfeldern Balis

Um uns nicht in dieser Reizüberflutung komplett zu verlieren, machen wir erste Spaziergänge in den umliegenden Reisfelder. Wir sind vollkommen begeistert. Die Reisfelder werden zu dem Highlight der gesamten Reise.

Die Landschaft strahlt eine unglaubliche Harmonie aus. Das Grün der Reisfelder ist unbeschreiblich intensiv. Je nach Stand der Reispflanzen zeigen sich die unterschiedlichsten Grüntöne. Die Felder fügen sich den natürlichen Formen der Landschaft und schwingen in sanften Biegungen die Hügel hinauf. Dazwischen lockern kleine Hütten und Altäre, Palmen und Blumen die Szenerie auf. Hier und da sind ein paar Enten unterwegs, um in den Feldern Schädlinge zu futtern. Über allem liegt eine wunderbare Ruhe. Die Atmosphäre laßt uns zu Ruhe und Entspannung kommen.

Wir wohnen in einer kleinen Pension direkt in den Reisfeldern. Ketut, unser lieber Gastgeber, lebt hier mit seiner Frau und seinem kleinem Sohn. Es bewirtet in seinem Haus nur wenige Gäste. Bereits morgens beim Frühstück auf dem Balkon genießen wir die grandiose Aussicht und unvergleichliche Atmosphäre. Oft fällt uns der Aufbruch vom Frühstück schwer.

 Die Schädlingsbekämpfungstruppe rückt an...

Ich schreibe in mein Tagebuch:

"Ein paar Sätze, aber eigentlich viel mehr, verdient der alte Mann, der in den Reisfeldern gleich neben unserer Unterkunft sitzt und als lebende Vogelscheuche arbeitet. Morgens um 6 Uhr beginnt er seine Arbeit, in dem er durch lautes Rufen, Händeklatschen und sonstige Geräusche die kleinen Vögel zu vertreiben versucht. Eine ziemlich aussichtslose Arbeit, denn die winzigen Tierchen lassen sich zwar vertreiben, aber nicht von der Insel, sondern nur ins nächste Reisfeld. Spätestens, wenn die dort vertrieben werden, kommen sie zurück.

Um so mehr ist die Arbeit des alten Mannes zu bewundern. Unermüdlich streifen seine Augen über die Felder. Er sitzt dabei gerne auf einem Bambussessel und hält einen Stock mit einem angebundenen Tuch in der Hand, der ihn bei seiner Arbeit unterstützt.

Wenn er uns auf dem Balkon sieht, spricht er uns meistens an, was wir aber leider nicht verstehen können. So müssen wir uns nur auf die Mimik beschränken."

Ich habe einige Male den alten Mann beobachtet. Am meisten beeindruckt hat mich die Zufriedenheit und Freundlichkeit, die der Mann trotz seiner stupiden Arbeit und seines sicherlich einfachen Lebens ausgestrahlt hat.

Während wir in den nächsten Tagen noch auf unsere Räder warten, leben wir uns langsam ein. Inzwischen wissen wir zwischen normalen Häusern und Tempeln zu unterscheiden. Wir genießen die ersten Imbisse an den Warungs, den fahrbaren Garküchen, die äußerst schmackhafte (und zudem preiswerte) kleine Mahlzeiten feilbieten.


Leckereien in den Warungs

Einen Abend besuchen wird eine Tanzvorführung. Junge Mädchen tanzen den Legong. Einerseits weiß ich zwar, daß man den Mädchen - trotz der hohen sozialen Stellung der Tänzerinnen - durch das harte Training einen guten Teil ihrer Kindheit raubt, andererseits bin ich von der Anmut und Mimik, dem Spiel mit den Augen und den harmonischen Bewegungen bis in die Fingerspitzen vollkommen fasziniert. Wenn man zudem bedenkt, daß in dem Tanz nichts improvisiert, sondern jede kleine Bewegung festgelegt ist, muß man der Leistung der Tänzerinnen Hochachtung zollen.

Überwältigt von den Eindrücken der ersten Tage, schreibe ich in mein Tagebuch:

"Seit vorgestern ist in Ubud Tempelfest. Der Dorftempel feiert praktisch Geburtstag. Es ist einfach faszinierend. Wir haben lange Zeit das Treiben vor dem Tempel beobachtet. Und wenn uns auch der Zutritt zum Innern des Tempels verwehrt bleibt, so haben wir doch sehr viel erlebt. Unmengen von Opfergaben werden in den Tempel gebracht.

 

Junge Frauen balancieren Tabletts mit hoch aufgetürmten Opfergaben auf ihren Köpfen: Obst, kleine Kuchen und manchmal sogar gegrillte Enten mit allem drum und dran. Es ist unglaublich, wie sicher und anmutig die Frauen diese schweren Türme den Weg von Zuhause in den Tempel tragen.

 

Alles ist total rausgeputzt. Der Tempel ist festlich geschmückt, die Männer und Frauen haben ihre besten Sarongs und andere edle Kleidungsstücke angezogen, die Frauen das Haar wunderbar mit Schmuck und Blumen geschmückt. Es ist phantastisch: Eine Überflutung der Sinne, die man kaum fassen kann. Ein Banyan-Baum überragt prächtig den Vorplatz des Tempels, kleine Kinder sind in feine Kleider gehüllt und nehmen die Feier ziemlich locker. Wir sehen viele freundliche Gesichter, deren Ruhe und Entspanntheit trotz der Ernsthaftigkeit der Zeremonie beeindruckt.

 

Gamelanorchester

Zu den farbenprächtigen visuellen Eindrücken kommen für Europäer exotische Gamelanklänge und der Geruch von Räucherstäbchen hüllt das ganze Areal ein. Es ist sicher eines der beeindruckendsten Erlebnisse meiner gesamten Reisen."

 

                 

Sowieso bestimmt die Religion das Leben der Menschen Balis. Mehrmals täglich werden Opfer gebracht. Dabei wird nicht nur den Göttern, sondern auch den Dämonen geopfert. Balinesen glauben, daß ihr persönliches Wohlergehen von einem Gleichgewicht zwischen Gut und Böse abhängt. Nicht einmal im tänzerischen Spiel siegt das Gute über das Böse. Interessant finde ich die Auffassung der Balinesen, daß das Meer das Reich des Bösen ist, die Berge hingegen die Wohnstätten der Götter sind. Kaum ein Balinese geht im Meer baden, bestenfalls werden die Füße ins Meer gehalten. Die Fischer sind oft Moslems und sogar die Fischerorte liegen mit einigem Abstand zum Wasser. Für ein Inselvolk ist diese Einstellung zum Meer wirklich sehr bemerkenswert.

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